Freiburger Geschichte und Geschichten aus Freiburg

Mundenhof

Mancher mag sich fragen was denn der Mundenhof hier zu suchen hat. Aber das beliebte Naherholungsgebiet war nicht immer nur Tiergehege. Der Mundenhof kann auf eine Jahrhunderte lange Geschichte zurück blicken.

Bereits im Jahre 864 wurde der Mundenhof, der damals noch „Muntichova“ genannt wurde, urkundlich erwähnt. In der Urkunde aus eben diesem Jahr wird der Priester Rumolt als Besitzer genannt. Damals war das Anwesen ein ganz normaler Gutshof mit Weiden, Wiesen und Wasserleitungen, der als landwirtschaftlicher Betrieb bewirtschaftet wurde. Mit dieser Urkunde vermacht der Priester Rumolt das Anwesen an das Kloster St. Gallen. Dies war durchaus üblich und auch klug um sein Seelenheil zu retten. Zudem durfte der Priester gegen einen Mietzins von einem Denar weiter auf dem Hof wohnen.

Im Jahre 1294 gelangt „Mundenhofen“ in den Besitz des Kloster Günterstal. Die genauen Umstände sind zur Zeit leider nicht bekannt. In den folgenden 500 Jahren kommt es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Mundenhofenern und den benachbarten Umkirchern. Diese sind äußerst misstrauisch gegenüber dem stattlichen Hofgut das direkt vor ihrer Gemeindegemarkung liegt.

Durch die Säkularisation und die damit einhergehende Enteignung von Klöstern und Kirchen ging „Mundenhofen“ im Jahre 1806 in den Besitz des neu entstandenen Großherzogtum Baden über. Bereits im Jahr 1808 verkauft das Fürstentum den Hof an die Universität Freiburg. 1889 erwirbt die Stadt Freiburg das Gut von der Universität und hat zu diesem Zeitpunkt bereits konkrete Pläne für den landwirtschaftlichen Betrieb.

1891 erwirbt die Stadt ein großes Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft des Mundenhof um dort Rieselfelder zur Verrieselung der Abwässer der auf über 50.000 Einwohner angewachsenen Stadt zu schaffen. Nach Inbetriebnahme der Rieselfelder betreibt das Gut Mundenhof auf den äußerst fruchtbaren Flächen Milchwirtschaft und Getreideanbau. Bereits 1920 muß das Rieselfeld wegen der stark gestiegenen Einwohnerzahl auf 320 Hektar erweitert werden.

1960 wird durch den Bau der Autobahn A5 Hofwiese und Bleichacker getrennt.

Zur Blütezeit der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung um 1963 werden auf dem Hofgut Mundenhof etwa 400 Rinder gehalten die jährlich 400.000 Liter Milch produzieren. Diese wurde abgefüllt in Kannen per Pferdefuhrwerk an den Milchhof der Stadt Freiburg geliefert. Zusätzlich zur Milchwirtschaft wurde ein erträglicher Betrieb mit etwa 800 Zucht- und Mastschweinen unterhalten.

1968 wurde mit großer Unterstützung des damaligen Bürgermeister Eugen Keidel das Tiergehege Mundenhof ins Leben gerufen. Das erste Tier wurde von Bürgermeister Keidel gestiftet.  Der schwarze Esel Moritz wurde zum ersten Bewohner des neuen Tiergehege. Zeitgleich mit dem Start des Tiergehege wurde auch die Fördergemeinschaft Freiburger Tiergehege e.V. gegründet.

Obwohl der Mundenhof seit 1889 der Stadt Freiburg gehört lag er doch bis zum Dezember 1977 auf der Gemarkung der Gemeinde Umkirch. Nach einer Volksabstimmung der dort lebenden Einwohnern erfolgte zum 01.01.1978 die vollständige Eingliederung zur Stadt Freiburg. Als Ausgleich erhielt Umkirch eine  kleinere Gemarkung die vorher zum Stadtteil Lehen gehörte.

Nach fast 100 Jahren endet der Rieselbetrieb im Jahre 1985. Durch die extrem angestiegene Einwohnerzahl und das damit verbundene erhöhte Abwasseraufkommen konnten die Felder die Menge nicht mehr aufnehmen. Daher wurde auf eine Abwasserklärung in der Kläranlage Forchheim umgestellt. Durch die Aufgabe des Rieselfeld versiegte eine wichtige Einnahmequelle des Mundenhof. Der Wegfall des Abwassergeld in Höhe von etwa 600.000 Mark pro Jahr und der Preisverfall bei landwirtschaftlichen Produkten, sorgte dafür das der Mundenhof in finanzielle Schieflage geriet. Darauf hin wurde die Bewirtschaftung der Felder zurück gefahren und der ganze Betrieb wurde in einen ökologischen Musterbetrieb umgewandelt. Bis heute kann daraus der komplette Stroh- und Futterbedarf des Mundenhofs gedeckt werden. Von der einst großen Milchwirtschaft ist lediglich eine kleine Mutterkuhherde übrig geblieben.

Heute besuchen etwa 300.000 Menschen jedes Jahr das Tiergehege und nur den wenigsten dürfte bekannt sein das dort auch heute noch etwa 20 Familien leben.

Schreibe einen Kommentar