Freiburger Geschichte und Geschichten aus Freiburg

Martinstor

Das Freiburger Martinstor vor 1901Das Martinstor Freiburg ist das älteste noch erhaltene Stadttor und gehörte schon zu Freiburgs erster Stadtbefestigung die Anfang des 13. Jahrhundert angelegt wurde. Mit einer dendrochronologischen Untersuchung konnte man die Hölzer der Zwischendecke auf den Winter 1201/02 datieren. In diesem Winter dürfte das Holz für den Bau geschlagen worden sein und auch ungefähr der Baubeginn liegen, da damals das Bauholz noch grün verwendet wurde.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das „Porta Sancti Martini“ 1238. In späteren Erwähnungen fand sich auch der Name Nordinger-Tor, bzw. Norsinger-Tor. Dabei weiß man allerdings nicht genau, ob sich dieser einfach auf die Richtung zur gleichnamigen Ortschaft bezieht, die schon damals an der Hauptstraße Richtung Basel lag, oder auf einen alten Familiennamen.

Martinstor Freiburg vor 1901

Wie auch die anderen 4 Tore war das Martinstor bündig in die Stadtmauer integriert und mit dem Wehrgang hinter den Zinnen der Mauerkrone verbunden. An der Ostseite, also auf der Seite zur Markthalle, kann man die damalige Öffnung des Wehrgangs in etwa sechs Metern Höhe noch heute erkennen. Auf der Stadtaussenseite vor dem Tor gab es noch einen massiven Vorhof als zusätzliche Verteidigungsanlage sowie eine Brücke über den Festungsgraben der etwa 12 Meter breit und 5 Meter tief war.

Ursprünglich war das Martinstor etwa 22 Meter hoch. Seine erste Uhr erhielt das Tor irgendwann zwischen 1546 dem Jahr der Auftragserteilung an Uhrmachermeister Hans Lutherer aus Zürich und 1589 der ersten nachweislichen Darstellung im großen Sickinger-Plan. Das Uhrwerk blieb bis heute erhalten, wurde allerdings 2001/02 restauriert und kann seitdem im Wentzinger Haus dem Museum für Stadtgeschichte besichtigt werden.

Im 17. Jahrhundert wurde die Nordseite zum Stadtinneren mit einem Bild des heiligen St. Martin in einem gemalten Rahmen verziert. Der Erschaffer des ersten Martinsbild war Matthäus Kiefer im Jahre 1664. Vermutlich nach einem Entwurf von Simon Gösers wurde es dann im späten 18. Jahrhundert erneuert.

Dürr-Bild am Freiburger Martinstor

(c) by Bildarchiv Foto Marburg

1851 wurde es von Wilhelm Dürr schon wieder neu geschaffen. Leider wurde das Bild 1968/69 endgültig abgeschlagen und heute prangt nur noch eine große freie Fläche unter dem kleinen Dächlein. Mehrere Versuche ein neues Bild an gewohnter Stelle anzubringen scheiterten. Unter anderem gab es Entwürfe von Johannes Grützke, Hans Lutz und Wolfram Köberl, aber auch einer Kopie des noch erhaltenen Entwurf von Göser war kein Erfolg gegönnt. Zuletzt scheiterte der Versuch im Mai 2013 mit einer Ablehnung durch den Gemeinderat.

Gedenktafel_Martistor_Freiburg_revolutionskrieg_1796

(c) by Wikipedia

Die Gedenktafel über dem Torbogen erinnert noch heute an die Kämpfe zwischen der Freiburger Bürgerwehr, die 1793 neu gegründet wurde und Revolutionstruppen aus Frankreich. Die Inschrift der Gedenktafel lautet:
„Denkmal der freiwilligen Freiburgs unter Major und Stadtrath Caluri und allen Waffenbrüdern des österreichischen Breisgaus, die sich durch Treue und Tapferkeit den 7. Juli 1796 für Kaiser und Vaterland kämpfend auszeichneten. Gewidmet von ihrem General Freiherrn von Duminique.“

Martinstor Freiburg mit Reichsadler

(c) by Bildarchiv Foto Marburg

Ende des 19. Jahrhundert forderten viele Freiburger den Abriss des Martinstor das die inzwischen von einigen Geschäftshäusern überragt wurde und der Torbogen für die wachsende Stadt sowie den bevorstehenden  Straßenbahnverkehr zu eng wurde. Der damalige Oberbürgermeister Otto Winterer entschied sich aber für einen Architektenwettbewerb. Da allerdings wegen des Neubau der Straßenbahn die Zeit knapp wurde, wandte man sich schließlich direkt an die Architekten Max Meckel und Carl Schäfer. Nachdem diese sich bereit erklärten Pläne für das Martinstor und auch noch gleich für Schwabentor und die angrenzenden Häuser der beiden Tore zu liefern, sollten diese nach Zustimmung durch Stadtrat und Bürgerausschuß in die Tat umgesetzt werden. Im Sommer 1901 wurde mit dem Ausbau des Martinstor begonnen. Es wurde  es wurde fast um das dreifache erhöht, von ehemals 22 Metern auf nun 60 Meter. Zudem erhielt das Tor einen Dachaufbau im historisierenden Stil des 15. Jahrhundert. Auch der neue geschaffene Torbau mit einem größeren Durchgang wurde im gleichen Stil ausgeführt. Im Zuge des Umbau wurde an der Außenseite ein preußischer Reichsadler über den Wappen von Freiburg und Baden angebracht. Im Jahre 1951 wurde die Bemalung abgeschlagen. Erst Anfang des 21. Jahrhundert wurde die leere Stelle durch die Replik einer barocken Sandsteinplatte mit der Darstellung des kaiserlichen Doppeladlers wieder ausgefüllt.

Seit 1988 ist an der Nordseite des Martinstor eine Gedenktafel angebracht, die an die vielen Opfer des Hexenwahns erinnern soll. Stellvertretend für die vielen namenlosen Opfer werden dort die Freiburger Bürgerinnen Anna Wohlffartin, Catharina Stadelmennin und Margaretha Mößmerin genannt. Diesen wurde 1599 der Prozess gemacht, woraufhin sie enthauptet und verbrannt wurden. Das Schicksal der Catharina Stadelmennin diente 2003 Astrid Fritz als Vorlage für ihren Roman „Die Hexe von Freiburg“ Obwohl das Martinstor als Standort für diese Gedenktafel ausgewählt wurde, saßen hier keine der Hexerei verdächtigte ein, sondern meist nur Schuldner. Daher sagte man auch von denen die hier saßen man habe ihnen den Martinsmantel umgehängt. Allerdings gab es im zweiten Stock einen Frauenkerker was vermutlich zu der Annahme führte das hier auch die Hexen saßen. Diese waren jedoch im Christoffelstor untergebracht das am nördlichen Ende der Kaiser-Joseph-Straße stand und seit 1704 nicht mehr existiert. Natürlich ist es nicht ausgeschlossen das es zwischen diesen beiden Tor-Kerkern auch Überschneidungen der Insassen gab. Vermutlich je nach Andrang und ob eine „peinliche Befragung“ also Folter durchgeführt werden mußte. Diese fanden nämlich ausschließlich im Marterhäuschen, das dem Christoffelstor angebaut war, statt.

Das es im Mittelalter weder ein Heer noch bezahlte Söldner in Freiburg gab, mussten sich die Bewohner selbst um ihre Sicherheit kümmern. Meist hatten die Zünfte die Regelung der Bewachung in Händen. Laut verschiedenen Aufzeichnungen scheint es als hätten die Wachen im 16. Jahrhundert ihren Dienst nur noch nachlässig ausgeführt.
„Erstlich ist an den Thoren besser als bisher zu hüten … und nicht in den Thorstübchen zu sitzen und zu zechen wie bisher.“
Den Wachen wurde aufgetragen Acht zu geben das in der Stadt keine „Abendtänze“ stattfanden und das keine „Kränzlein“gesungen werden. Dies waren scherzhafte Singspiele mit teilweise sehr derben Witzen. Spielleute die zu Abendtänzen helfen, sollen ins Gefängnis gebracht werden.

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