Freiburger Geschichte und Geschichten aus Freiburg

Haus zur lieben Hand

Haus zur lieben Hand? Nicht jeder wird sofort wissen um welches Gebäude es sich dabei handelt und wo dieses stehen könnte. Wenn man in Freiburg studiert hat, könnte das die Chancen jedoch erhöhen. Das Haus zur lieben Hand befindet sich in der Löwenstraße zwischen der Diskothek Agar und dem Durchgang zum KG II der Uni. Seit 1990 dient das Haus allen Mitgliedern der Albert-Ludwigs-Universität als Treffpunkt.

Das Haus „Zur lieben Hand“ gehört ebenso wie das Haus „Zum schönen Eck“ wohl zu den bedeutendsten Gebäuden des Freiburger Spätbarock, besonders weil es den zweiten Weltkrieg unzerstört überstanden hat. Beiden Gebäuden wurde allerdings das Schicksal zu Teil ihre barocke Originalsubstanz durch zahlreiche Umbauten teilweise verloren zu haben. Wie viele andere Häuser in Freiburg, wurde auch das Haus „Zur lieben Hand“ von einem auswärtigen Kloster unterhalten.

Im Keller lässt sich noch heute der mittelalterliche Vorgängerbau ablesen, der in der Mitte des 15. Jahrhunderts nachweislich im Besitz von Sankt Trudbert war und somit der Münstertäler Benediktinerabtei als Absteigequartier diente.

Manchem mag das Haus auch unter dem Namen „Ebringer Hof“ bekannt sein. Dies rührt daher, daß es ab dem Jahr 1500 zahlreiche Besitzerwechsel gegeben hat und der letzte bürgerliche Eigentümer, Stadtschreiber und Professor August Preiß, das Gebäude an den Sankt Gallischen Statthalter im Breisgau verkauft hat. Da sich der Hauptsitz der Verwaltung für die klösterlichen Güter in Ebringen befand, bürgerte sich bei den Freiburgern bald „Ebringer Hof“ als Namen für das Gebäude ein.

Um 1767 wurde mit dem Bau des heute noch bestehenden Gebäude begonnen. Das elegante Palais wurde 1769 fertiggestellt. Der Entwurf des Gebäude wird zwar Christian Wentzinger zugeschrieben, jedoch fehlt der eindeutige Beweis. Wentzinger war bereits bei der Ausstattung der Klosterkirche 1757 bis 1760 für die mächtige Schweizer Benediktinerabtei tätig und bei vielen anderen Freiburger Bauprojekten beteiligt, so daß zumindest eine beratende Tätigkeit Wentzingers als wahrscheinlich gilt.

Mit der badischen Säkularisation von 1806 wurden sämtliche Besitzungen des Sankt Gallischen Kloster vom Großherzogtum eingezogen. Damit begann für das Haus zur lieben Hand wieder eine Phase zahlreicher Besitzerwechsel, bis das Gebäude im Jahre 1898 vom Freiburger Arbeiterbildungsverein erworben wurde. Dies war ein 1861 gegründeter Verein der es sich zum Ziel gesetzt hatte, ein Bildung- und Unterhaltungsangebot für Arbeiter- und Handwerksgesellen zu bieten. In etwa vergleichbar mit den heutigen Volkshochschulen, gab es damals noch zusätzlich eine eigene Sparkasse und eine Krankenversorgung. Das Gebäude wurde vom Verein aufwendig für 55.000 Gulden umgebaut, was in etwa noch einmal so viel war wie der Kaufpreis.

Am 5.März 1933 wurden in Freiburg, früher als im restlichen Reich, bedingt durch den Wahlsieg der NSDAP alle Arbeitersport- und -kulturverbände aufgelöst. Davon betroffen war auch der Freiburger Arbeiterbildungsverein. Das nun nicht mehr als solches nutzbare Vereinshaus wurde 1938 zum Hotel-Restaurant „Zur lieben Hand“. 1943 wurde das Gebäude von der Stadt gekauft und die Gaststätte verpachtet. Zudem wurden noch einige Behörden in dem Gebäude untergebracht. So wurde das Personalamt dort angesiedelt und nach der Zerstörung des Stadttheaters noch deren Intendanz, Verwaltung, Schneiderei und Mietkasse. Das Pausenrestaurant des Theater wurde im kleinen Saal der lieben Hand eingerichtet, da sich 1945 im benachbarten ehemaligen Variete „Casino“ eine provisorische Spielstätte befand.

Die Gaststätte wurde Mitte der 50er Jahre immer unrentabler und so beschloss die Stadt Freiburg 1957, das Haus der Musikhochschschule zu überlassen, die nach dem Krieg in 14 verschiedenen Gebäuden über die ganze Stadt verteilt war. Somit hatte die Schule ein zentrales Gebäude für ihren Unterricht, das am 12. November 1959 offiziell von Oberbürgermeister Josef Brandel übergeben wurde.

Nachdem die Musikhochschule 1983 in ihren Neubau am Meßplatz gezogen war, erwarb 1987 die Universität das Gebäude und ließ es bis Ende 1989 grundlegend sanieren. Seitdem dient das Haus zur lieben Hand als Personal-Casino der Universität, sowie als Begegnungsstätte für Hochschulangehörige und Gäste. Das 1989 gegründete Frankreichzentrum und die Geschäftsstelle des Verbandes der Freunde der Universität haben im Gebäude auch ein Zuhause gefunden.

Homepage des Haus zur lieben Hand beim Studentenwerk Freiburg.

 

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