Freiburger Geschichte und Geschichten aus Freiburg

Friedrichsbau

Der Freiburger Friedrichsbau liegt an der Kaiser-Joseph-Straße zwischen Martinstor und Dreisam. Erbaut wurde er in zwei Abschnitten 1906 und 1910. Erbauer waren Josep Ruh und Arthur Levi die das Gebäude als Mehrzweckbau konzipiert hatten. Es waren Kaffeehaus, Säle, Läden und Wohnungen darin untergebracht.

Der nördliche Teil, von vorne gesehen der rechte Teil, ist der ältere und wurde von Joseph Ruh für die Freiburger Kaufmannsfamilie Günzburger-Blum entworfen. Dieser Teil des Gebäude wurde 1906 fertiggestellt und beherbergte im Obergeschoss ein Kaffeehaus. Zudem gab es im Erdgeschoss zahlreiche Schaufenster hinter denen vielseitige Geschäfte ansässig waren.

1910 wurde im Auftrag der Betreibergesellschaft die zwischenzeitlichen den Friedrichsbau übernommen hat das Wohn- und Geschäftshaus durch Arthur Levi nach Süden erweitert. Der Gebäudeteil war deutlich vom ersten zu unterscheiden, wurde jedoch durch die Geschoßteilung und die Fensterformen dem vorhanden Gebäudeteil angeglichen. Der gesamte Stil der Fassade ist am Baustil der deutschen Renaissance um 1600 angelehnt.

Die Namensgebung nach Großherzog Friedrich I. von Baden war vermutlich der Wunsch des ersten Pächters des Kaffeehaus Carl Schanz, der in Freiburg als Gastronom bereits bekannt war. Im Gegensatz zum Erscheinungsbild der Fassade war die Einrichtung im Inneren des Friedrichsbau Freiburg an den Wiener Sezessionsstil angelehnt. Außer durch das Kaffeehaus wurde der Friedrichsbau vor allem durch die zahlreichen Geschäfte geprägt. Zum Beispiel der Friseursalon von Julius Krummer der erst im Zuge des Umbau 1985 ausziehen musste und dessen Geschäft zwischenzeitlich in vierter Generation in der Talstraße von Freiburg betrieben wird. Die genaue Geschichte des Friseursalon können sie hier nachlesen. Im linken Gebäudeteil, dem „Levi-Bau“ wurde bereits 1910 das „Friedrichsbau-Lichtspieltheater“ eröffnet. Somit dürfte das Friedrichsbau-Kino das älteste Freiburger Kino sein das heute noch existiert. Auch die Tanzschule Büttner war bereits vor dem zweiten Weltkrieg im Friedrichsbau eingezogen. Diese wurde später vom Teilhaber Wilfried Freese weitergeführt. Heute ist die Tanzschule Gutmann an gleicher Stelle als Nachfolger ansässig.

Zwischenzeitlicher Besitzer des Friedrichsbau war Gerhard Dannemann der 1850 in Bremen geboren wurde und im deutsch-französischen Krieg 1870/71 verwundet wurde. Während seiner Genesungszeit 1871-1872 hielt er sich in Freiburg auf und lernte hier viel über den Tabakanbau. Der Name Dannemann steht auch heute noch für beste Zigarren. 1872 wanderte Dannemann nach Brasilien aus und startete dort seinen Siegeszug mit Tabak. Im Jahre 1912 beschäftigte er circa 4.000 Mitarbeiter in sechs Fabriken. Ungefähr in dieser Zeit muß er den Friedrichsbau in Freiburg als Anlageobjekt erworben haben. Dannemann verstarb 1921 wodurch der Friedrichsbau einen neuen Besitzer suchte.

Diesen fand man in Person des Ehepaar Franz-Xaver und Emma Seiler. Diese stammten ursprünglich aus dem Marcher Ortsteil Neuershausen. 1887 waren Franz-Xaver Seiler nach Amerika ausgewandert und kam bereits nach 2 Jahren als gemachter Mann zurück. 1908 wanderten Franz-Xaver Seiler und seine Frau Emma Theresia Hamm erneut aus, diesmal nach Südafrika. Im Jahre 1921 erwarben die beiden den Friedrichsbau als Geldanlage, einschließlich der Kammerlichtspiele im Erdgeschoß und dem Konzertcafe im Obergeschoß. Noch heute ist der Friedrichsbau im Besitz der Franz-Xaver- und Emma-Seiler-Stiftung, die sich um die Förderung und Fortbildung von Jugendlichen kümmert.

Nach dem zweiten Weltkrieg mietete sich der Freiburger Rundfunksender im relativ unzerstörten Friedrichsbau ein. Aus dem „Radio Freiburg“ ging dann 1946 das Landesstudio des Südwestfunks hervor. Ab 1949 war dann Günterstal das Zuhause des Senders der sich heute in der Kartäuserstraße Freiburg befindet und zum SWR gehört.

In der Zeit zwischen 1945 und 1954 wurden einige Räume des Friedrichsbau als Offizierskasino der französischen Garnison genutzt. Ab 1954 war dies nicht mehr erforderlich, da das Grand-Hotel am Fahnenbergplatz fertiggestellt wurde.

Im Auftrag der Freiburger Stadtbau GmbH und der Stiftungsverwaltung wurde der Friedrichsbau Freiburg ab dem Spätjahr 1987 umgestaltet. Teile der historischen Funktionen wurden dabei wieder hergestellt. So wurden an der Außenfassade  einige Bausünden wieder rückgängig gemacht um das Gebäude wieder dem ursprüngliche Aussehen anzunähern. Zudem wurde ein zweigeschossiger Saal mit 350 Plätzen, Tagungsräume, Bistro und Ladenlokal eingebaut. Auch der Außenbereich hinter dem historischen Breisacher Tor wurde in das Gesamtkonzept mit einbunden und ebenfalls neu gestaltet. So wird der Friedrichsbau heute wieder zum Teil in seiner historischen Funktion genutzt, wie zum Beispiel Kino, Tanzschule, Ballsaal und andere. Aktuelle Informationen gibt es auf der Internetseite des Friedrichsbau.

Viele der Informationen aus dem Buch Freiburg und seine Bauten von Peter Kalchthaler.