Freiburger Geschichte und Geschichten aus Freiburg

Hotel Freiburger Hof

Das Hotel Freiburger Hof, einst renommiertes Hotel beim Martinstor
WIEDERSEHEN! Das Aussehen des einstigen Freiburger Hofes hat sich durch neue Dachgestaltung und fehlende Erkertürme verändert.

Hotel Freiburger Hof

Abbildung des ehemaligen Hotel Freiburger Hof in der Nähe des Martinstor in Freiburg im Breisgau

INNENSTADT. Die abgebildete Federlithographie zeigt das Hotel „Freiburger Hof“ um 1897 an der damaligen Ecke Kaiser- und Belfortstraße, die jetzt Kaiser-Joseph- und Humboldtstraße heißen. Der Bau ist von 1889 bis 1890 mit breiter Front zur Belfortstraße errichtet worden sowie mit schmaler Fassade und runden Erkertürmen zur Kaiserstraße. Sein Architekt und Bauunternehmer war Friedrich Ploch. Ein Teil des Bauwerks ist unterhalb vom Mansardengeschoss heute noch vorhanden.

Das prächtige Hotel weist den Baustil der Spätrenaissance in Verbindung mit dem französischen Mansardenstil auf. Seine Eröffnung erfolgte im August 1890 durch seinen Bauherrn und Besitzer Benedikt Hauer. Über dem eleganten Wirtschafts- und Speisesaal mit den dazugehörenden anderen Räumen sowie den Läden im Erdgeschoss befanden sich in den Obergeschossen und den Mansarden insgesamt 62 Zimmer. Die drei größeren Mansardenzimmer zur Belfortstraße hin hatten größere Fenster. Verziert hatte das mittlere Fenster ein Hirschgeweih, die beiden anderen hatten als Schmuck jeweils zwei Schwerter. Dabei handelte es sich um frühere Wirtsschilder, die als Hinweis auf die Vorgeschichte des Hauses angebracht waren. Laut dem ersten Freiburger Adressbuch befand sich 1813 auf dem Grundstück das Gasthaus „Zum goldenen Hirschen“. Besitzer war der Schildwirt Joseph Stayert. Schildwirte waren damals privilegierte Wirte, die allein dazu berechtigt waren, mit einem Schild am Haus auf den Betrieb hinzuweisen.
Letzter Hirschen-Wirt war Karl Heisler, der wegen anhaltender Krankheit das Gasthaus im Dezember 1839 zum Verkauf angeboten hatte. Erworben hat es Joseph Maurer, der im Mai 1840 das Schild „Zu den zwei Schwertern“ auf das Gasthaus übertrug. Der „Freiburger Hof“ entstand nach weiteren Wechseln von Wirt und Hauseigentümer, nachdem der – mit Joseph Maurer vermutlich nicht verwandte – Karl Maurer das Gasthaus gekauft und im Juli 1863 mit dem neuen Namen eröffnet hatte. In den Besitz von Benedikt Hauer (1832 bis 1893) kam das Gebäude 1877, der es später vollständig abbrechen und 1889/90 größer neu bauen ließ. Das Haus war damals schon mit Bädern und der Neuzeit entsprechend eingerichtet. Da der Hotelier im Juli 1893 und seine Frau schon während der Bauzeit im April 1889 starben, wurde der auf der Federlithographie vermerkte Heinrich Strampfer (1854 bis 1903) Inhaber und später auch Besitzer des Hotels.

Heinrich Strampfer stammte aus Bad Windsheim in Mittelfranken und war Direktor des Hotels „Kaiserhof“ in Augsburg, bevor er im Mai 1893 die Freiburger Restauration „Zur Gambrinushalle“ übernahm. Sie gehörte der Sinner’schen Brauereigesellschaft und befand sich in der Belfortstraße 3 direkt gegenüber dem „Freiburger Hof“. Im Dezember 1893 übernahm Heinrich Strampfer das Hotel mit der Maßgabe, dass auch die „Gambrinushalle“ bis auf weiteres von ihm geführt wird. Ab Juli 1903 führte die Witwe Berta Strampfer das Hotel, verpachtete es 1913 und war noch 1918 Eigentümerin, als das Hotel zum Militärbüro wurde. 1919 wurden die Gebrüder Kiechle neue Besitzer vom „Freiburger Hof“, die auch Eigentümer des Hotels „Salmen“ waren, und blieben es bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie und die Hoteliers davor haben das Hotel als erstklassiges Haus mit entsprechendem Personal betrieben. Zu den Mitarbeitern zählte einst auch der Hotelkutscher Joseph Kern, bevor er sich 1907 als Lohnkutscher selbstständig machte. Sein Betrieb besteht heute noch als Firma Taxi Kern in Herdern.

Am 27. November 1944 ist das Hotel beim Bombardement Freiburgs besonders stark im Innern und insgesamt zu 68Prozent beschädigt worden. Dieser Prozentsatz ist vom Wiederaufbaubüro der Stadt errechnet worden aufgrund der festgestellten Kriegsschäden und der Gebäude-Neubaukosten. Bis in die 1950er Jahre dauerte der Wiederaufbau, bei dem die Dachgestaltung verändert wurde und die Erkertürme entfielen. Aus dem 140-Betten-Hotel wurde ein großes Wohn- und Geschäftshaus, das noch für ein paar Jahre ein kleines Hotel „Freiburger Hof“ mit 26 Betten beherbergte. Heute befinden sich außer Büros und Kanzleien unter anderem eine „Starbucks“-Filiale, die „Pro Familia“-Beratungsstelle und das Restaurant „Grace“ im Gebäude.
Quelle
http://www.badische-zeitung.de/

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