Freiburger Geschichte und Geschichten aus Freiburg

Schneesturm über dem Schwarzwald

So wunderschön der Schwarzwald im Winter sein kann, so gefährlich kann es aber auch sein und eine Unmenge an Arbeit ist damit verbunden. Wie in jüngster Zeit wieder berichtet wurde, bei dem 2 Menschen den Tod durch Lawinenabgänge im Feldberggebiet gefunden haben und unzählige Fahrzeuge die nicht weitergekommen sind, den Verkehr behinderten und zum Teil auch lahmlegten.
Aufwändig müssen Straßen geräumt und Pisten präpariert werden um den Touristen, den Einheimischen, den Wintersportlern und unmöglichen Skifanatikern die auf jedem Dreck fahren müssen, den Zugang zu den Ortschaften und den Wintersportgebieten zu ermöglichen.

Schneeräumung mit Vorspann vor einem Postbus

Schneepflug schleppt Postbus ab auf dem Feldberg

Schneeräumung Feldberg 1938

Zu einem der schönsten Wintergebiete Deutschlands gehört der Süd-Schwarzwald mit vielen über 1000 Meter hohen Bergen wie dem Feldberg, dem Schauinsland, dem Belchen und der Hornisgrinde, um hier ein paar der bekanntesten zu Nennen. Viele weitere weniger bekannte über 1000 m hohe wären an dieser Liste anzureihen, die sich im Schwarzwald finden. Im Halbkreis Richtung Schwarzwald, mit eine Luftlinien-Entfernung von 40 -50 km, liegen um die 70 Berge mit über 1000 Meter Höhe.
Nach der Mitte des Aprils, im Jahr 1936 wird von einem verehrenden Schneesturm über Deutschland berichtet, der innerhalb weniger Stunden einen Überfluss an Regen in tieferen Ortslagen und Schneesturm mit Unmengen an Schneeniederschlag gebracht hat. Mit gravierenden Folgen, wie Stromausfälle, gekappte Telefonleitungen, unbefahrbare Straßen und Unglücksfällen. Also damals wie auch in der heutigen Zeit nichts Ungewöhnliches.

So verirrte sich 1936 eine Gruppe englischer Schüler mit ihrem Lehrer am Schauinsland. Trotz dem aufziehen schlechten Wetter zog die Gruppe von 27 englischen Schülern im Alter von 12 – 14 Jahren los, um vom Schauinsland nach Todtnau in die Jugendherberge zu wandern. Im aufkommenden Nebel und Schneesturm, verloren sie die Orientierung und irrten den ganzen Tag am Schauinsland herum. Erst abends gegen 21:30 Uhr wurden ihre Hilfeschreie von Bewohner in Hofsgrund gehört. Umgehend wurden Rettungsmaßnahmen der Bürger von Hofsgrund eingeleitete. Mit Schlitten retteten sie die Schülergruppe aus dem zwischenzeitlich über 1 Meter hohen Schnee. Die letzten 10 Schüler der Gruppe wurden gegen 22:00 Uhr gefunden, zu diesem Zeitpunkt waren schon 4 Schüler den Strapazen erlegen, ein weiterer Junge erlag den Strapazen in eine Freiburger Klinik. Da sie ohne einheimischen Führer und ohne ausreichende Ortskenntnis, trotz aufziehenden schlechten Wetters losgegangen sind, kostet dieser Leichtsinn fünf jungen Kindern das Leben.

Ärger gab es auch mit der Straßenräumung in der damaligen Zeit. So beklagte der Bürgermeister von Brandenberg die Uneinsichtigkeit des Kraftwagenleiters der Kraftwagenleitstelle in St.Blasien. Zu dieser Zeit waren zwei Traktoren dafür bereitgestellt vom Bärental über den Feldberg nach Fahl den Winterdienst zu versehen. Aufgrund des extremen Schneesturms und des unerwarteten späten Wintereinbruches war nun die Strecke zwischen Todtnau und Fahl komplett unpassierbar. Die Fahrer des Räumdienstes hatten Anweisung nur bis Fahl zu bahnen. Da die Gemeinde Todtnau und Brandenberg keine Möglichkeit hatten selbst zu räumen, blieb die Strecke unpassierbar. Wie berichtet die Wiesentäler Zeitung unter anderem dazu: „Man sollte eigentlich die wenig schmeichelhaften Bemerkungen, mit welchem fremde wie einheimische Autofahrer ihrem Unwillen Luft machten, sammeln und davon ein Album anlegen, damit diese auch ihr „Ziel“ erreichen“. Nun glücklicherweise gehören derartige Situationen der Vergangenheit an.

Wiesentäler Zeitung 08011938 Schneeschleuder     011

Aus der Wiesentäler Zeitung vom 08.01.1938

Heute hat jede Gemeinde einen ausreichenden Winterdienst und ein gut ausgebautes Rettungswesen, die Herren des Winterräumdienstes sind stets darum bemüht, schon ab 3:00 bis 4:00 Uhr morgens, die Straßen schnell und gut passierbar zu machen. Die Menschen im Rettungswesen versuchen durch präventive Maßnahmen Menschenleben zu schützen. Trotz allen Bemühungen kommt es immer wieder zu schwerwiegenden Behinderungen und Unglücksfällen, weil es einfach Menschen gibt, die Uneinsichtig und Stur sind und auf Empfehlungen oder Sinnvolle Gebote keinen Wert legen. Dabei ist es egal ob es darum geht Winterreifen oder Schneeketten zu verwenden, oder Gebiete die als Gefährlich gekennzeichnet sind nicht zu betreten. Manchmal fragt man sich schon ob der eine oder andere seinen gesunden Menschenverstand zu Hause vergessen hat oder ihn je besessen hat.

So schön der winterliche Süd-Schwarzwald ist, mit seiner herrlichen Weitsicht über das Rheintal zu den Vogesen und über den Schwarzwald bis zu den Alpen, mit den im Eis und Schnee erstarrten Bäumen, so viel Gefahren birgt er auch gerade im Winter.
Viel Freude im Schwarzwald mit all seinen Schönheiten zu jeder Jahreszeit, doch bitte mit Vernunft und Rücksicht.

Ein interessantes Skigerät längst vergessen welches Mitte/ Ende der 1930er in allen Skigebieten zu sehen war.

Wiesentäler Zeitung 29021936  einspur radrodel 018

Aus der Wiesentäler Zeitung vom 29.02.1936

 

Grüße an alle Freunde des historischen Freiburg und denen die Schnee und Winter mögen

Th.W.

Vielen Dank an unseren Gastautor Thomas Weber

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