Freiburger Geschichte und Geschichten aus Freiburg

Feldberg Prüfungsfahrt

Freiburg Dreh – und Angelpunkt für ein Rennspektakel zum Feldberg
Nein, nein und nochmals NEIN – nicht der kleine nur 878m hohe Hügel Feldberg im Taunus ist gemeint, vielmehr der richtig 1493m hohe Feldberg im Schwarzwald kommt hier zur Sprache. Übrigens in Deutschland haben nur die in Bayern höhere Berge.

Anzeige in der Freiburger Zeitung vom 21.06.1924

Freiburg 1924
Ein verregneter Sonntag im Juni, obwohl der Samstag vielversprechend schön war, fiel das Barometer über Nacht in den Keller. Graue Wolken lassen nicht Gutes erahnen und kurz vor Rennstart kam was sich niemand wünschte, die Regenschweren Wolken ergossen sich über das Land.
Dem Regen zum trotz, startet der Freiburger Motorrad-Klub zu seiner ersten Feldberg-Prüfungsfahrt. Von Rennen sprach man damals nicht, da es für die Fahrer wirklich eine Prüfung darstellte, nicht nur den Witterungs- und Straßenverhältnissen zum trotz schnellste Zeiten zu fahren sondern auch den Eigenwilligkeiten der Fahrzeuge Herr zu werden, war eine Herausforderung.

Vorbericht der Freiburger Zeitung vom 21.06.1924

Vorbericht der Freiburger Zeitung vom 21.06.1924

Eine Weitsicht von den Bergen aus war an diesem Tag nicht möglich und der Feldberg lag sogar im Nebel. Doch die Rennsportbegeisterten Menschen säumten zu tausenden die Rennstrecke, Rucksack bepackt schon Stunden zuvor haben sie sich an der Rennstrecke verteilt. Durchnässt und erwartungsvoll harrten sie an der Rennstrecke aus um die rasenden Fahrer auf ihren heißen Kisten zu sehen.
Unzählige Helfer von Polizei, Sanitätsdiensten und anderen Sportvereinen, sorgten für eine hervorragende Sperrung der Rennstrecke und unterstützen mit vollen Kräften dieses Rennereignis.

Über 100 Meldungen für Motorräder mit 150 cm3 bis über 750 cm3 gingen ein. Die starteten in Unterschiedlichen Klassen und deren Fahrer mit unterschiedlichen Lizenzen. Die Kleinen Maschinen an erster Stelle und folgend die anderen Hubraumklassen.
Die unteren Kubik-Klassen wurden gar schnell von den Großen eingeholt und überholt. Manche der Kleinen blieben gar auf der Strecke liegen. Auch waren Vor- und Nachteile zwischen Riemen- und Kettenangetrieben Motorrädern an diesem regnerischen Tag ausschlaggebend. Der Vorteil? –Ganz klarer Fall eine Kette greift in die Zähne eines Ritzels, hingegen ein Nasser Riemen rutsch auf seiner Antriebswelle und Antriebsrad bei Nässe durch. Es gab halt noch keine Zahnriemen wie heut zu Tage.

Startaufstellung der kleinen Motorräder zum Feldbergrennen 1924 vor dem Start beim Hotel Schiff im Hintergrund sind Gebäude von Freiburg zu erkennen.

Startaufstellung der kleinen Motorräder zum Feldbergrennen 1924 vor dem Start beim Hotel Schiff im Hintergrund sind Gebäude von Freiburg zu erkennen.

Wenn man von den Kleinen der damaligen Zeit redet, darf man die noch nicht einmal mit einem Moped unserer heutigen Zeit vergleichen. Die Kleinen Motorräder dieser alten Tage ähnelten eher einem Fahrrad mit Hilfsmotor. Die größeren Motorräder konnte schon eher als solche durchgehen, wobei da auch die eine oder andere Maschine dabei war, die man heute eher als Mofa oder Moped bezeichnen würde.
Selbstverständlich mit dabei die Gebrüder Weber, Anton in der Rennklasse II 200cm3 mit einer A-Fahrer Lizenz auf einem LUWE-Motorrad, wie nicht anderes zu erwarten und Ludwig Weber (LUWE) auch als Fahrer und auch unterwegs in Sachen Organisation. Anton zeichnet sich an diesem Tag mit einem 2.Platz in seiner Klasse aus, er erreichte das Ziel beim Feldbergerhof in 1:04:18 Stunde. Der schnellste an diesem Tag war in einer Zeit von 42:00 Minuten am Ziel, mit einer englischen Norton in der 500 cm3 Klasse im Klassement der B-Fahrer. Viele weiter mehr oder weniger Namhafte Fahrer beteiligten sich an dem Rennen, einer der bekanntesten n dürfte Zick auf einer DKW in der 150 cm3 Klasse gewesen sein, der ebenfalls eine Zeit unter einer Stunde fuhr und das auf einer 150er Maschine. Da gehört schon einiges an fahrerischem Können und Wagemut dazu in 49:43 Minuten mit einer 150er diese Strecke zu bewältigen, besonders wenn man daran denkt mit welchen Leistungen die Motorräder jener Tage unterwegs waren.
Die Strecke war immerhin 47 km lang. Der Start war in Freiburg Littenweiler beim Hotel Schiff. Die Strecke führte über Kirchzarten – Oberried – Notschrei –Todtnau – Feldberg. Viele Kurven und Haarnadelkurven, Steigungen bis zu 18%, zeichneten die Strecke als weitere Prüfung für Fahrer und Maschinen, als extrem schwierig aus. Bedenkt man nun, dass die Straßen in jener Zeit bei weitem nicht mit dem zu vergleichen waren, was wir heute vorfinden, haben die Motorradfahrer einzigartiges geleistet.

Startaufstellung der großen Motorräder zum Feldbergrennen 1924.

Startaufstellung der großen Motorräder zum Feldbergrennen 1924.

Im besten Fall waren die Straßen gut ausgebaut und recht befestigt, doch die meisten Straßen von damals, da würden sich die Auto- und Motorradfahrer der heutigen Zeit mit ihrem „Heiligen Schrott“ nicht getrauen zu fahren, geschweige den in einem rasanten Tempo sich fortbewegen, außer man hätte eventuell eine entsprechendes Fahrzeug, wie ein Geländemotorrad oder einen „Schicki-Micki“ – SUV, der in den allermeisten Fällen, nie richtigen Offroad-Dreck sieht.
Man muss von sehr engen eher mit Schotterpisten vergleichbaren Wegen ausgehen. Es waren eher Holzabfuhrwege als Straßen. Selbst in der heutigen Zeit braucht man für diese Strecke im normalen Straßenverkehr mindesten 35- 40 Minuten aber da sollten nicht gerade all zu viele Urlauber oder gar Lastkraftwagen auf der Strecke sein. Der untere Ottonormalfahrer mit Auto ist da heutzutage schon annähernd 45 – 60 Minuten unterwegs. Selbst bei einer abgesperrten Strecke ist es schwer, weitaus bessere Zeiten, mit einer Serienversion eines heutigen Fahrzeuges zu fahren. Wäre sicher mal eine Interessante Geschichte diese meine Behauptung heraus zu finden, doch leider nur ein Traum. Die Streckenverläufe sind anders geworden und dann lässt das moderne Image Öko-Stadt Freiburg ein derartiges Spektakel sicher nicht zu.

Ergebnisse der 1. Feldberg-Prüfungsfahrt

Ergebnisse der 1. Feldberg-Prüfungsfahrt

Mittags war im Feldbergerhof die Preisverleihung, zahlreiche Firmen, die Freiburger Zeitung, die Stadt Todtnau, die Stadt Freiburg und auch Hoteliers stifteten Preise, Ehrenpokale und Prämien für die erfolgreichen Rennfahrer, die zum Teil weite Anreise auf sich genommen haben um an diesem Rennen teilnehmen zu können.

Zur vollsten Zufriedenheit aller beteiligten und freiwilligen Helfer und ohne schwerwiegende Unfälle, endete der Tag mit einem Festessen auf dem Feldberg. Viele Motoradfahrer, unzählig freiwillig Helfer und einige Motorsportbegeisterten Klubmitglieder, haben an diesem Tag eine einzigartig Glanzleistung vollbracht und Geschichte geschrieben, die in Vergessenheit geraten ist.

Bericht der Freiburger Zeitung über die erste Feldberg-Prüfungsfahrt vom 23.06.1924

Bericht der Freiburger Zeitung über die erste Feldberg-Prüfungsfahrt vom 23.06.1924

1925 fand ein weiteres Rennen auf diesem Kurs statt, mit verkürzter Strecke und ein weiteres Highlight zeichnete diesen Renntag aus. Als Initiator war wieder der Motorrad-Klub Freiburg zu nennen, doch auch der ADAC Freiburg beteiligte sich, in diesem Jahr daran. Die Motorradfahrer starteten wie die Automobilisten in Kirchzarten, das Ziel für Motorräder war der Feldberg und das der Automobile der Notschrei.

Anzeige in der Freiburger Zeitung vom 28.06.1925

Anzeige in der Freiburger Zeitung vom 28.06.1925

Eigens für diesen Renntag wurden Tage zuvor Tribünen am Notschrei aufgebaut.

Sonderfahrten von Höhenverkehrsverbindungen (so wurden die damaligen offiziellen Busverbindungen bezeichnet) und Lastkraftwagenverbindungen wurden eingesetzt um die enthusiastischen Motorsport-Begeisterten Menschen an die Rennstrecken zu bringen. Die Rennstrecke war ab 7:30 gesperrt und der Rennbeginn war um 8:30 Uhr, doch wie sich später zeigte, verzögerte sich der Start um eine Stunde. Im Vorfeld des Rennens wurde ausdrücklich auf die Möglichkeiten der Verbindungen zur Rennstrecke, den Start und den Zielorten hingewiesen.
Man musste als Motorsportfan schon morgens um 4:30 Uhr auf den ersten „Höllentäler“-Zug um pünktlich an der Rennstrecke zu sein, in der heutigen Zeit würden nur sehr wenige Menschen sich derartig bemühen. Auch an diesem Renntag waren wieder unzählige Helfer von Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienst im Einsatz, aber auch befreundete Radfahrer- und Wandervereine unterstützten das Rennereignis mit freiwilligen Helfern.

Rennszene irgendwo zwischen Muggenbrunn und Todtnau

Rennszene irgendwo zwischen Muggenbrunn und Todtnau

Zuerst starteten die Motorräder in selben Prozedere wie im vergangen Jahr. Klasse für Klasse die Motorräder in unterschiedlichen Lizenzen die Fahrer, Ziel den Feldberger Hof, in möglichst schnellster Zeit zu erreichen. Anschließend starten die Automobile im 4-6 Minuten Takt ihrem Ziel auf dem Notschrei entgegen. Auch dieser Renntag wurde von Regen begleitet, der Vorteil dadurch lag auf der Hand – durch den Regen wurde nicht zu viel Staub aufgewirbelt. Die Automobilisten fuhren vom Notschrei dann in gemäßigtem Tempo rüber auf den Feldberg zur Siegerrehrung im Feldberger Hof. Auch in diesem Jahr sind wieder die Weber Brüder mit dabei mehr oder weniger Erfolgreich. Ludwig Weber auf seiner LUWE in der Klasse 5 bis 500cm3 erreichte den 2. Platz mit einer Zeit von 35:18 Minuten im Klassement der Senioren immerhin war er da schon fast 30 Jahre alt undzählte schon zu den Senioren. Aber auch Anton auf LUWE, der da gerade mal 25 Jahre alt war, in der Klasse IV bis 350 cm3 platzierte sich auf Platz 4 mit 36:42 ½ Minuten im Klassement der Junioren.

Beste Zeit der Motorräder an diesem Tag mit 32:11 3/5 Minuten auf einer DKW in der Klasse 5 bis 500cm3 von einem im Klassement Junioren, Fahrer Morsch.

Ergebnisse der Motorräder

Ergebnisse der Motorräder

Bei Autorennen gab es auch unterschiedliche Klassements und PS respektive Liter Klassen.
Tourenwagen bis 4, 5, 7, 10, 13, 18 PS unterteilt
Sportwagen bis 4, 6, 8, 12, 18 PS unterteilt
Rennwagen bis 1 Liter.

Ergebnisse der Autorennen

Ergebnisse der Autorennen

Die beste Zeit erreichte, für nicht einmal die Hälfte der Strecke der Motorradfahrer, in 12:08 Minuten, in der Klasse der Sportwagen bis 8 PS mit einem Simson Supra, Herr Kappler.

Hans von Opel brauchte in seinem Rennwagen bis 1 Liter Hubraum 12:46 Minuten.
Wie auch im Vorjahr wurden die Veranstalter in höchstem Maß für die Reibungslose Organisation gelobt. Die abschließende Veranstaltung, das Festessen fand im Sutterbräu in Freiburg statt. Hier hatten nur Personen mit Ausweiskarten (VIP-Karten) Zugang. Die waren im Vorfeld an zwei Verkaufsstellen in begrenzter Menge zu bekommen.

Freiburger Zeitung 1925-06-27_Anzeige_Feldberg Prüfungsfahrt

Ein klein wenig Stolz und viel Anerkennung meinen beiden alten Vorfahren gegenüber, aber auch in Anerkennung für ein hervorragendes Motorrad, welches in Freiburg von einem Freiburger gebaut wurde, beflügelten mich dazu, dieses Renn-Ereignis der Vergangenheit in Erinnerung zu rufen. Auch in Anerkennung gegenüber all den anderen Beteiligten Rennfahrern und Helfern.
Gruß an die Freiburger Fans des historischen Freiburgs und auch alle Motorsportfans die gerne das eine oder andere Event dieser Art hier in und um Freiburg, gerne wieder sehen möchten.
Thomas Weber
Fortsetzung folgt (wenn ihr wollt) J

Vielen Dank für diesen Gastbeitrag an Thomas Weber, einem Nachfahren der Weber Brüder.

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